Wien-Neubau: Mit der Flex gegen illegale touristische Vermietung
Bereits Ende 2023 wurde in Wien die Bauordnung verschärft, um touristische Vermietung von Wohnraum stark einzuschränken. Doch nun, im Herbst 2025, spitzt sich die Situation offensichtlich weiter zu. Der Bezirksvorsteher von Wien-Neubau greift dabei sogar zur Flex.
Airbnb & Co: weitreichende rechtliche Einschränkungen
Die genaue rechtliche Ausgestaltung ist kompliziert, wie es die leidgeplagte Bevölkerung von Miet- und Baurecht generell gewohnt ist. Doch vereinfacht ausgedrückt ist es seit Ende 2023 bezüglich einer Kurzzeitvermietung so, dass eine Wohnung maximal 90 Tage pro Jahr touristisch vermietet werden darf. Diese Möglichkeit soll sicherstellen, dass beispielsweise weiterhin Studierende, die den Sommer außerhalb Wiens verbringen, in dieser Zeit ihre Bleibe kurzzeitvermieten können.
Wer hingegen ein echtes Kurzzeitvermietungs-Business betreiben möchte, muss höhere Hürden nehmen. Eine Ausnahmegenehmigung muss beantragt werden. Um diesen Antrag stellen zu können, müssen alle Miteigentümer zustimmen. Dann prüft die Behörde den Antrag und in die Entscheidung fließt auch ein, welcher Anteil des Gebäudes bereits gewerblich genutzt wird. Wird dann tatsächlich per Ausnahmegenehmigung eine Erlaubnis erteilt, so ist diese zeitlich befristet.
Für all jene, die gerne touristisch vermieten möchten, liegt die Latte somit ziemlich hoch. Der bürokratische Aufwand ist schwierig zu bewältigen und der erforderliche zeitliche Einsatz schmälert die Rendite. Die Vorschriften nicht zu beachten, also illegal Kurzzeitmiete anzubieten, kann jedoch noch wesentlich ungemütlicher werden.
Kontrollen vor Ort und Meldungen durch Anrainer
Die Baupolizei hat eine eigene Kontrollgruppe abgestellt, die Wiener Wohnhäuser nach Schlüsselsafes und anderen Hinweisen auf touristische Vermietung absuchen. Wer den Kontrollorganen die Türe öffnet, wird dahingehend befragt, wie kurz- oder langfristig das Mietverhältnis besteht. Die Mieter haben dabei nichts zu befürchten, gesucht werden jene Vermieter, die trotz fehlender Erlaubnis touristisch vermieten. Hinzu kommt, dass die Stadt Wien Daten diverser Buchungsportale erhält, um noch genauer kontrollieren zu können.
Die Flex als Sinnbild einer neuen Eskalation in Wien-Neubau
Der 7. Gemeindebezirk, Wien-Neubau, ist generell für sehr hohe Preise, teure Lokale und auf die Spitze getriebene Gentrifizierung bekannt. So schön die dortigen Gassen sind, so knapp ist der Wohnraum – von leistbaren Immobilien ganz zu schweigen. Wer hier wohnt, muss und kann es sich leisten. Doch die Anzahl der touristisch vermieteten Einheiten ist hier so groß, dass verbale Kritik und Genehmigungsverfahren nicht mehr auszureichen scheinen.
So griff Bezirksvorsteher Markus Reiter (Grüne) zur Flex und trennte – vor den Augen diverser Medienvertreter – öffentlichkeitswirksam Schlüsselsafes von einem Zaun ab. Den zerstörten Schlüsselsafe präsentierte er dabei stolz. Der Schlüsselsafe war eine Besonderheit: Er war illegal angebracht und im öffentlichen Raum zugänglich. Damit versuchte sich der Vermieter den rechtlichen Vorgaben zu entziehen.
Wenngleich die Aktion sehr populistisch wirkt, so zeigt sie doch, wie dringend einerseits das Problem der touristischen Vermietung ist und wie hilflos nicht nur Nachbarn sind, sondern eben beispielsweise auch Bezirksvorsteher. Reiter fordert einerseits eine Änderung der Bauordnung und ein völliges Verbot touristischer Vermietung in Wohngegenden. Er weiß aber andererseits wohl selbst, dass – falls es jemals so weit kommen sollte – eine so weitreichende Gesetzesanpassung Jahre dauern würde. Vielleicht ist es soweit, wenn dann wirklich ein ganzheitliches, neues Mietrecht entwickelt wird. Das wiederum ist ebenfalls seit Jahren politisch thematisiert, aber bisher nicht umgesetzt.
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